Das Lebensarbeitszeitkonto – der Raub der Lebenszeit

Die Hans Boeckler Stiftung hat eine aktuelle Broschüre mit dem Titel „Vorgezogener Ruhestand: Altersteilzeit und Lebensarbeitszeitkonten“ publiziert.

Dort kommen die Autoren zu dem Schluß: „In vielen Bereichen sind die Arbeitsbelastungen deutlich gewachsen: Arbeitsverdichtung, zunehmende psychische Fehlbelastungen, Schicht- und Nachtarbeit werden immer häufiger beklagt Der Wunsch der Beschäftigten nach einem möglichst frühen Übergang in den Ruhestand und nach entlastenden Maßnahmen (in der letzten Phase des Arbeitslebens) ist aber nur mit entsprechenden finanziellen Mitteln realisierbar.

Die Mittel selbst aufzubringen, kommt für viele betroffene Beschäftigte aufgrund zu geringer Einkommen nicht in Betracht … Werden die Kosten des Übergangs in den Ruhestand durch die Beschäftigten getragen, erfordert dies eine lange Ansparphase Hierfür kommen Lebensarbeitszeitkonten in Betracht, die in den Betrieben an Bedeutung gewinnen Werden diese Lebensarbeitszeitkonten durch Zeit – z B durch Mehrarbeit und Urlaubstage – aufgebaut, ist damit in der Regel eine höhere Arbeitsbelastung in der Aufbauzeit verbunden. Werden Konten mittels Entgeltumwandlung aufgebaut, setzt das ein entsprechendes Einkommen voraus.“

Man soll also durch noch mehr Leistung Arbeitszeiten ansparen für den vorzeitigen Austritt aus dem Arbeitsleben.

Der Mensch ist aber für 24 Stunden biologisch, physisch und psychisch angelegt. Er kann nicht bis 63 warten bevor er sich erholen kann. Deshalb sind Urlaub und Freizeitausgleich so wichtig.

Das Lebensarbeitszeitkonto kann daher in der heutigen industriellen Arbeitswelt diese Anforderungen nicht erfüllen. Bei Beamten in Ministerien ist dies wahrscheinlich anders. Aber wenn wir über die Arbeitnehmerwelt sprechen, dann ist es so nur umsetzbar mit einem erhöhten Risiko, krank zu werden und vorzeitig zu sterben oder nicht mehr arbeiten zu können.

Zudem ist ja nichts geregelt. Solange es kein Ministerium für Zeitkonten gibt, das diese eins zu eins wie Rentenbeiträge speichert und später auszahlt (ohne dass diese nachträglich im Wert gemindert oder gekürzt werden können) ist dies alles so unsicher wie kaum etwas anderes.

Ich kann nur empfehlen die Finger von einem Lebensarbeitszeitkonto zu lassen und stattdessen übers Jahr verteilt Freizeitausgleich zu wählen und dafür zu sorgen, dass die Leistung am Arbeitsplatz durch menschengerechte Gestaltung nicht zu Erkrankungen führt.

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