Deutsche Journalisten – Nachplapper-Journalismus?

Gestern war es wieder mal soweit. Frankreichs Premierminister kommt nach Deutschland. Und die Medien überbieten sich mit dem Geschrei, Frankreich sei so arm dran und Deutschland hätte seine erfolgreichen Reformen schon hinter sich gebracht.

Die Begründung lautet Frankreich würde seine 3 Prozent Defizitgrenze nicht einhalten und Deutschland sei Exportweltmeister.

Wieso höre ich eigentlich keine Journalisten, die reale einfache Zusammenhänge darstellen?

In Frankreich erhalten die Menschen länger und mehr Arbeitslosengeld. In Deutschland erhält man in der Regel nach einem Jahr Hartz 4 und muß vorher seine Ersparnisse plündern. In Frankreich werden die Jahre mit den höchsten Beiträgen zur Berechnung der Rente genommen, in Deutschland wird systematisch gekürzt und runtergerechnet.

Soll das also jetzt erfolgreiches Reformieren sein? Aus wessen Sicht?

Und Deutschland ist Exportweltmeister? Ah ja. Wir haben doch gelernt, daß dies auf Kosten der Menschen geschehen ist, weil hier Billiglöhne und Zeitarbeit mit Niedriglöhnen eingeführt wurde. Soll das also jetzt Vorbild sein und wenn wofür?

In NRW kriegt mittlerweile jeder Zehnte Hartz4 in Gelsenkirchen schon jeder Fünfte. Das soll ein Vorbild für Frankreich sein?

Und jetzt also die Attacke, Frankreich müsse mehr tun. Nun wissen wir seit gestern offiziell, daß fast kein Hubschrauber der Bundeswehr auf Schiffen funktioniert. Es wurde nicht investiert. Und heute hören wir, daß die Hälfte der Transall-Flotte nicht funktioniert.

Zudem haben wir erfahren, daß wir einen Investitionsstau (so nennt man das) bei Straßen und Brücken haben. Man hat also in Deutschland privatisiert oder noch Schlimmeres gemacht und dabei asozialen Reichtum zugelassen.

Deutschland ist also auf den Strassen und bei der Bundeswehr am Ende. Da müßte man sich von den Reichen was zurückholen durch Steuern.

Aktuell sorgen die Franzosen mit ihren Flugzeugen dafür, daß die Interessen Europas im Ausland geschützt werden. Das kostet Geld.

Und dann stellen sich deutsche Politiker hin und sagen, aber die Franzosen halten die Defizitgrenze nicht ein.

So, und nun frage ich mich, wieso muß ich das schreiben, wieso schreiben das nicht bezahlte Journalisten?

Eine Antwort fand ich hier: „Der Zugang zum Berufsfeld des Journalismus ist hierzulande an eine wohlbehütete soziale Herkunft gebunden; Kollateralschäden mit nicht-akademischem Elternhaus werden nur geduldet, wenn sie bedingungslos bereit sind, einen hochkulturellen Habitus anzunehmen. In ihrer Doktorarbeit belegt die Sozialwissenschaftlerin Klarissa Lueg, dass Journalisten zu mehr als zwei Dritteln eine privilegierte soziale Herkunft aufweisen und vor allem Eltern haben, die als Beamte oder Angestellte mit Hochschulabschluss im gehobenen bis sehr gehobenen Dienst tätig (gewesen) sind. Auf den Chefsesseln der Medien beträgt der Anteil der Bürger- und Großbürgerkinder sogar satte 77 Prozent.“

Und dann wundern sich diese Leute, daß ihre Zeitung keiner mehr kauft? Sollen doch die Reichen zehntausend Abos kaufen und Menschen dafür bezahlen, daß sie das dann lesen.

Nachtrag einen Tag später:

Als ob mein Artikel hier gestern gelesen wurde…

 

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