Was bedeutet Generationengerechtigkeit?

Seit mehr als 15 Jahren höre ich Politiker über Generationengerechtigkeit sprechen. Damals war ich Mitte 30. Da erklärte mir ein Gewerkschafter der IG Metall, Walter Riester, man müsse nun mehr für die private Rente tun und viele Leistungen der Rentenversicherung müssten aus Solidarität mit der jüngeren Generation verringert werden.

Dann führte die rot-grüne Bundesregierung ein, daß die Jahrgänge ab 1961 keinen Bestandsschutz mehr in der Berufsunfähigkeit haben.

Danach wurde der Wert des Rentenpunktes abgesenkt.

Dann wurden mir und vielen anderen mehr als 20 Jahre nach dem Studium und dem Abitur rückwirkend die rentensteigernden Jahre der Qualifizierung aberkannt, insgesamt 8 Jahre.

Seltsamerweise war dies auch die Zeit als die Generation, die vor zehn Jahren in Rente ging oder war sich selbst noch die besten Ausstiegsmodelle mit Anfang 50 gönnte und fast jeder der wollte, wurde insbesondere im öffentlichen Dienst vorzeit kaputtgeschrieben.

Auf die Idee, daß die, die sich da bedienten, etwas drin lassen für mich und die anderen, sind sie nicht gekommen. Sie sprachen von Generationengerechtigkeit und meinten, sie packen sich die Taschen voll und ich soll dafür dann länger arbeiten und weniger bekommen.

Das war die Zeit als man mich und viele andere die Sandwich-Generation nannte, weil wir von zwei Seiten angepackt wurden. Man verlangte von uns durch höhere Beiträge als früher mehr vom Einkommen und machte unsere Altersversorgung schlechter.

Damit aber nicht genug. Walter Riester gab uns den Rest. Seine Reform führte – wie wir nun wissen – dazu, daß man nur draufzahlte, Versicherungen leckere Provisionen kassierten und man selbst von der Riester-Rente wenig bis nichts hat außer den Kosten.

Aber als ob das noch nicht genug war kam noch Peter Hartz ins Spiel, Arbeitsdirektor bei VW und Gewerkschafter. Wer von uns arbeitslos wird oder werden wird, der hat dann nicht nur keinen Berufschutz mehr und eine viel kürzere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes.

Nein, man drehte wegen des „Förderns und Forderns“ alles um und erklärte uns, wer nicht umgehend einen neuen Job hat und Alg 2 beantragt, der verliert den Berufsschutz, muß jeden Job annehmen und vorher seine Altersversorgung und seine Ersparnisse aufbrauchen. Das ist eine Art Restmüll der Nazizeit, der sich hier wiederspiegelt.

Wenn man sich nun anschaut, was Generationengerechtigkeit bedeutet, dann meint die politische herrschende Klasse damit, daß die, die in den letzten zehn Jahren in Rente gegangen sind, alles kriegen und wir, die wir in zehn Jahren gehen wollen, wenig bis nichts kriegen und für das bisschen noch länger arbeiten sollen.

Und nun sollen wir eigentlich noch länger arbeiten – bis 70 – wegen der Generationengerechtigkeit, erklärt man uns aktuell!

Viele junge Abgeordnete um die 30 in den Parlamenten, die völlig unbeleckt sind, erklären uns um die 50 jetzt, daß wir ja auf Kosten der jüngeren Generation leben.

Nicht die, die den Sack geleert haben und mit dicken Pensionen und Renten jetzt in Freude leben sondern wir, die wir die brutalsten Einschnitte der BRD-Geschichte erlebten und erleiden müssen, kriegen nun auch noch von jungen Nichtwissern die Schuld in die Schuhe geschoben.

Da kommt Freude auf.

Wenn man sich aber tiefer mit dem Thema beschäftigt, dann ist eigentlich klar, was Generationengerechtigkeit bedeuten würde, nämlich Umverteilung zwischen den Lebenden heute:

1. Alle Rentner, die heute mehr 2000 Euro brutto im Monat haben, verzichten auf die Hälfte des Geldes, das darüber hinausgeht zugunsten eines Zukunftsfonds.

2. Beamtenpensionen werden grundsätzlich auf maximal 2000 Euro brutto p.M. gedeckelt. Alles darüber hinaus wird in einen Zukunftsfond gezahlt. Dies gilt auch für alle, die jetzt eine Pension bekommen.

3. Alle Menschen haben in Deutschland das Recht und die Pflicht auf eine Ausbildung. Alle Arbeitnehmer ab 50 haben einen Rechtsanspruch auf eine sozialversicherungspflichtige bezahlte angemessene Tätigkeit, auch im öffentlichen Bereich, die tariflich bezahlt wird und mindestens 12 Euro brutto pro Stunde beträgt.

4. Der sozialversicherungspflichtige Mindestlohn wird proportional nach gesellschaftlich wichtigen Kriterien gezahlt. In den Pflegebereichen beträgt er mindestens 15 Euro für angelernte und mindestens 20 Euro pro Stunde für Fachkräfte. Der niedrigste Mindestlohn liegt bei 10 Euro pro Stunde.

5. Es gibt keine Rentenkürzungen mehr ab 63 und es gibt kein Alg 2 mehr (bis auf wenige Ausnahmen). Das Geld wird komplett in die Bezahlung von gesellschaftlich wichtigen Tätigkeiten gesteckt, damit alle eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen können.

6. Neue Definition von Freiberufler. Freiberuflertum in Deutschland ist mehr als privilegierte Bezahlung von Rechtsanwälten, Steuerberatern, Ärzten und Archtekten. Die haben Gebührenordnungen, die wie Gesetze bzw. Tarifverträge sind und in denen alles bundesweit oder per Fachbereich festgelegt wird. Freiberufler sind aber vor allem z.B. auch Kulturberufe. Wenn alle Freiberufler bundesweit gültige Mindestvergütungen hätten und/oder sie bis zu einem Gewinn von 15.000 netto pro Jahr dafür nur maximal 100 Euro pro Monat für alle Sozialversicherungen zusammen bezahlen müssten, hätten wir eine echte sichere Alternative zum jetzigen Zustand und wir hätten die Chance, mehr Menschen einen beruflichen Platz mit Eigeninitiative zu verschaffen ohne das Risiko des totalen Abstiegs und der absoluten Verschuldung. Das ist Potential für echte Zukunft.

Man könnte noch mehr schreiben.

Aber wer nun sagt, das geht nicht, der sollte sich überlegen, wieso diese 6 Punkte nicht möglich sein sollen. Es wird nur fair umverteilt. Nichts von alldem widerspricht dem Grundgesetz oder ist unfair.

Dann sind alle Generationen dabei und die, die die besten Ausstiegsmodelle geniessen konnten und die höchsten Pensionen und Renten geben jetzt dafür etwas von dem Geld ab, das sie uns immer noch jeden Monat abnehmen.

Und die vielen Menschen, die auch ab 50 eine ehrliche und gut bezahlte Tätigkeit suchen, erhalten eine Perspektive. Und die jungen Menschen sehen, daß sie in diesem Land eine Perspektive haben.

Alle hätten gewonnen wenn die Politik dann das Geld nicht wieder in Rettungsschirme steckt.

Ich finde, dieser Artikel ist Applaus wert.

 

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