Was Sascha Lobo noch lernen kann

Nun hat sich Sascha Lobo wieder auf spiegel.de geäußert. Was man von Frank Schirrmacher lernen kann lautet der Debattenbeitrag.

Herr Lobo spricht von zwei Stimmen, die wir haben und führt aus: „Denn jede Person, die sich öffentlich äußert, ob digital oder analog, trägt zur Relevanz und damit zur Wirksamkeit einer öffentlichen Debatte bei. Ein Nebensatz in der Kantine scheint irrelevant, Millionen Gespräche in hunderttausend Kantinen können politische Kraft entfalten. Konkret funktioniert das zum einen über ein feines Populismus-Sensorium, das noch für jede erfolgreiche Politikfachkraft überlebenswichtig ist. Zum anderen fungieren soziale und redaktionelle Medien auch als Rückkanäle zur Macht.“

In der Kantine? Was machen denn alle anderen? Sind Arbeitslose und Hartz4-Empfänger und Rentner keine Gruppen? Geht die politische Kraft von den Kantinenbesuchern aus?

Und dann social media. Schauen wir uns doch mal einige Beispiele an.

  • Wenn bei Facebook über 150.000 auf einmal zu Guttenberg liken, dann führt dies zu sozialer Kraft?
  • Wenn die Piraten überall digital präsent sind dann führt dies zu Erfolgen? Wohl kaum. Ich kann mich erinnern, daß auch Herr Lobo damals sinngemäß irgendwo geschrieben hat, daß man wohl doch auf die Parteiversammlungen müsse und die Macht der sozialen Medien überschätzt wurde.
  • Oder bei uns vor Ort. Da wurde der Betreiber eines Kinos im Ort per Facebook so lange bearbeitet, bis zum Schluß das Kino geschlossen wurde. Alle die, die damals so groß in Facebook geschrieen haben und dann beim Neustart mitmachen wollten, sind untergetaucht. Nun gibt es hier kein Kino mehr aber dafür gab es den Shitstorm. Super!

Was hat denn Frank Schirrmacher bewirkt? Er hat die Auflage der Zeitung erhöht und er hat konservative Debatten geführt. Hartz 4 ist immer noch da, so brutal wie früher. Die Rente mit 67 ist immer noch da, so brutal wie früher. Die Rentenkürzungen sind immer noch da.

Frank Schirrmacher repräsentierte genau das, was den Mächtigen immer geholfen hat und besetzte damit auch noch Sendezeiten in den Medien.

Die Tragik liegt eher darin, daß er es nicht zur Rente mit 67 geschafft hat. Er widerlegte damit die Lüge der Mächtigen und plädiert insofern für eine andere Art der Gesellschaft, die es allen ermöglicht vor der Rente ein gutes Leben zu führen.

Schirrmacher hat in den letzten Jahren Lob bekommen von Leuten, die ihn vorher nicht mochten. Aber man darf nicht vergessen, daß er gerade im Feuilleton mit dafür gesorgt hat, die ideologischen Gedanken zu entwickeln, die die Brutalität der Hartz-Gesetze bis heute ermöglichen.

Ich weiß, die Wahrheit tut weh. Aber verlinken kann man sie ja. Wer sie nicht lesen will, braucht ja nicht drauf zu klicken.

Und so habe ich heute von Sascha Lobo gelernt, daß die Welt der Kolumne flach ist und nur durch Verlinkungen die nötige Tiefe erhalten kann, die den Blick schärft.

Übrigens ist dieser Artikel ein Beleg dafür, daß es so weitergeht wie bisher.

 

 

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