Zalando und das Asoziale der neuen Arbeitswelt

Zalando sehe ich immer weniger in der Werbung und lese dafür immer mehr Berichte über die Praktiken des Unternehmens.

Nun also Mönchengladbach.

Was schreibt der WDR?

„Seit Jahresbeginn läuft das Verteilzentrum des Internethändlers Zalando im Vollbetrieb. Mittlerweile sind dort rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt… Auch beim Thema Betriebsrat sei man einen Schritt weiter gekommen, so Verdi-Experte Munkler nach dem Treffen. Der Internethändler will prüfen, welche Mitarbeiter er behalten möchte und ob diese entfristete Arbeitsverträge bekommen könnten. Sollte das geschehen, könnte die Wahl eines Betriebsrats näher rücken, da wegen der bisher üblichen Befristung kein Mitarbeiter längerfristig abgesichert ist. Aus Angst vor einer Nicht-Verlängerung des Arbeitsvertrags würden die meisten Beschäftigten eine Mitgliedschaft im Betriebsrat wohl eher ablehnen. Frank Michael Munkler von Verdi will nun bald eine Betriebsversammlung abhalten, um sich den Beschäftigten vorzustellen. Bislang hat er nur mit einzelnen Zalando-Mitarbeitern Gespräche geführt. Die Möglichkeit einer Betriebsversammlung ohne Unternehmensführung werde von der Geschäftsleitung ebenfalls geprüft, so Munkler.“

Besonders bemerkenswert ist der Satz: „Der Internethändler will prüfen, welche Mitarbeiter er behalten möchte und ob diese entfristete Arbeitsverträge bekommen könnten.“

Wir leben also in einer Welt, in der die von der Politik gemachten Gesetze dazu führen, daß 1000 neue Arbeitnehmer nur befristet eingestellt werden und bewußt durch diese Politik die Bildung eines Betriebsrates verhindert wird?

Befristung und Betriebsratslos als neue Normalität? Das ist absolut asozial. Hier ist ein Beispiel für das Asoziale der neuen Arbeitswelt, das durch die gelebte Praxis dazu führt, den Menschen keine Perspektive zu geben und mit höchster Wahrscheinlichkeit ihre Gesundheit zu ruinieren. Die Folgen bezahlen wir dann alle, die Gewinne streichen vorher die Unternehmen allein ein.

Ein Betriebsrat bestimmt mit bei den Vorgaben, bei den Arbeitszeiten und bei den anderen sozialen Fragen rund um den Arbeitsplatz. Betriebsräte sind sowieso ziemlich zahnlose Tiger und bestimmt keine Revolutionäre.

Aber der Artikel des WDR wirft schlaglichtartig ein Licht auf die abartige neue Arbeitswelt, die die Demokratie zerstört.

Menschen haben keine Hoffnung auf Integration in die Arbeitswelt weil sie nur befristet eingestellt werden und sich dabei ruinieren können, wenn sie gesundheitlich überfordert werden.

  • Wie sollen dort eigentlich Schwerbehinderte integriert werden?
  • Werden bei den Arbeitsplätzen auch Gelder des Jobcenter oder der Arbeitsagentur gezahlt?
  • Was passiert eigentlich nach dem neuem Gesetz zur Bezahlung von „Langzeitarbeitslosen“ unter dem Mindestlohn für die ersten sechs Monate in einem neuen Arbeitsverhältnis bei solchen Unternehmen?
  • Wieso ist die Voraussetzung für Fördergelder eigentlich nicht die unbefristete Einstellung? Immerhin gibt es in Deutschland ein Arbeitsrecht, das klar regelt, was passiert.

Genau jetzt ist eine Politik gefragt, die dafür sorgt, daß hier nicht legal asozial gehandelt werden darf.

Denn es geht auch um Teilhabe. Demokratie setzt Teilhabe auf Augenhöhe voraus. Das geht aber nur wenn es für die Menschen auch soziale Sicherheit gibt. Befristung ist verlängertes Tagelöhnertum.

Soweit meine Meinung.

Das kann die Hans Böckler Stiftung ja jetzt erforschen und dann als pdf verbreiten. Dann ruht es wissenschaftlich abgesichert in den Tiefen des Internets und tut nicht weh.

Nachtrag zwei Wochen später:

Wie das ja bei meinen Artikeln öfter so ist. Sie werden gelesen und andere forschen dann nach. Und so ist es auch dieses Mal. Zalando hat bis heute 42 Millionen an Fördergeldern bzw. Steuermitteln erhalten. Mehr braucht man nicht zu sagen.

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